Archive for the ‘Impro-Wissenschaft’ Category

Angewandte Improvisation - Internationale Konferenz im September in Amsterdam

Sonntag, Juli 18th, 2010

Das AIN (Applied Improvisation Network - Netzwerk für Angewandte Improvisation) wurde ja bereits in einem früheren Beitrag vorgestellt.

Aus aktuellem Anlass möchte ich gerne auf die Konferenz im September in Amsterdam hinweisen. Vom 23.-26. September wird dort die internationales Creme de la Creme der Berater, Trainer, Coaches und Führungskräfte zusammenkommen, die mit Improvisationstechniken arbeiten.

Ich werde dort auch mit meinem wertgeschätzten Kollegen Andreas Benkwitz vor Ort sein - unsere Thema:

The Hero´s Journey - Reloaded. Auf nach Amsterdam!

Die Philosophie der Improvisation

Freitag, Juli 16th, 2010

Wer sich tiefer gehend mit Improvisation beschäftigen möchte, dem sei “The Philosophy of Improvisation” wärmstens empfohlen. Professor Gary Peters von der York St. John University seziert darin die Improvisation als Element in den Werken von Kant, Nietzsche, Adorno, Heidegger, Derrida, Deleuze und vielen anderen Philosophen und Improvisationskünstlern wie z.B. Keith Johnstone. Wie sehen diese großen Geister das Wesen der Improvisation? Schafft Improvisation Kunst? Braucht Sie dazu Kunst?

Wie auch immer die Kunst-Frage zu klären ist, Peters lässt LaDonna Smith mit einem wunderbaren Zitat zu Worte kommen, was Improvisation leisten kann und auch sollte: “The act of engaging in free-improvisation will become a liberator, and emancipator, for many people to touch into their emotional lives in a non-verbal and non-judgmental way. We must introduce this healthy way of life.” Ja, bei Improvisation geht es um Freiheit. Es geht um negative Freiheit als gemeinschaftliches Ideal. Improvisation schützt das Gemeinschaftliche, indem es Interaktionsräume schafft, in denen nicht in Bereiche der anderen eingedrungen wird, sondern diese akzeptiert werden. Dabei erzeugt sie im Einzelnen spontane, originelle, ja geniale mentale Energien. Aber auch Wettbewerb spielt in der Improvisation eine nicht zu unterschätzende Rollte. Am Ende steht jedoch eine Freiheit, erreicht duch ästhetische Schönheit, wie Kant oder Schiller sie herbei gesehnt haben. Ein hoffnungsvolles Buch “for a healthy living on impro.”

Es ist ein Drama…

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Was soll ich sagen: Je tiefer wir uns mit der Improvisation beschäftigen, umso mehr dringen wir in spirituelle Bereiche vor. Nicht nur Stephen Nachmanovitch sieht in der Improvisation ein spirituelles Erlebnis, auch Patricia Ryan Madson macht aus den Parallelen zum Zen Buddhismus keinen Hehl.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich auch ein britischer Priester der Church of England dem Thema Improvisation angenommen hat. Samuel Wells sieht im Improvisationstheater ur-christliche Werte wiedergespiegelt. “Den anderen gut aussehen lassen” bis hin zu “Angebote machen” - sobald man sich die Begrifflichkeiten im Improvisationstheater einmal vor diesem Hintergrund auf der Zunge zergehen lässt, werden die Parallelen überdeutlich. Wells führt seine Gedanken zunächst von ethischen Fragen ausgehend hin zur Improvisation, die als dramatische Form das erzählende Element christlicher Theologie darstellt - zumindest wenn wir Wells folgen.

Darauf aufbauend bringt er zentrale Konzepte wie “Status”, “Annehmen und Blockieren”, “Geben und Geschenke” als Merkmale der Improvisation wie auch des christlichen Glaubens. Dabei sieht er in der Improvisation gleichzeitig die einmalige Gelegenheit, christliche Werte und narrative Überlieferungen aus der Bibel mit neuem Leben zu füllen. Eine sehr spannende Sicht auf das Wesen der Improvisation - über philosophische Fragen hinaus in die religiöse und spirituelle Sphäre hinein. Ein anregendes Buch, dass uns mit unserer kulturellen Herkunft konfrontiert.

The Applied Improvisational Network

Donnerstag, Juli 2nd, 2009

.

Für alle, die es noch nicht kennen: das AIN ist ein internationales Netzwerk für angewandte Improvisation. Angewandt meint in diesem Zusammenhang speziell den Business- und Management-Kontext. Hier findet man Konferenzen, lokale Austauschpartner, interessante Projekte und Gleichgesinnte. Will heißen: Improvisation ist ein globales Phänomen. Es gibt kein Zurück mehr. Die Welle rollt an. Halten wir uns fest - im AIN.

Stephen Nachmanovitch spielt frei!

Montag, Juni 29th, 2009

.

Wer ihn schon einmal live erlebt hat weiß: dieser Mann ist gelebte Improvisation! Ich hatte das Vergnügen ihn auf einem Vortrag in der Berliner Urania zu sehen. Er war auf Tour, um die deutsche Übersetzung seines Buches “Free Play” zu promoten. “Das Tao der Kreativität”, so der deutsche Titel, ist ein improvisiertes Buch, dass in zwölf Jahren harter Arbeit entstanden ist. Man merkt ihm förmlich an, wie jeder Satz, jedes Wort auf seinen Wertgehalt geprüft worden sein muss. Zenhaft auf das Wesentliche reduziert ist es für mich mit Abstand DAS Buch über Improvisation im Leben und in der Kunst. Stephen Nachmanovitch ist ein Freigeist, der weiß, dass Improvisation jedem, der sie betreibt ein unglaubliches Maß an Freiheit schenkt. Und damit auch Verantwortung überträgt. Für sich und alle Menschen, denen man mit der Improvisation etwas schenken kann.