Endliche und unendliche Spiele…
Spätestens seit Stephen Nachmanovitch wissen wir, dass Improvisation als freies Spiel betrachtet werden kann. Ich muss gestehen, mich fasziniert diese Perspektive zunehmend. Ist es doch das Spiel, das uns in zunehmenden Alter abhanden kommt - siehe dazu auch den Beitrag von Ken Robinson!
Freies Spiel ermöglicht einen Grad an Kreativität, der in anderen Kontexten nicht erreicht werden kann - man denke z.B. an den Design Thinking Ansatz, der mit einem ganz klaren Business Nutzen einher geht.

James P. Carse unterscheidet dabei zwischen endlichen und unendlichen Spielen - wobei die unendlichen Spiele dem freien Spiel sehr nah stehen, wenn nicht sogar synonym zu fassen sind. Er macht in seinem Buch, das bereits in den 80er Jahren erschienen ist (was man wohl auch am Cover erkennt…), sehr spannende und erhellende Untersuchungen zwischen den endlichen Spielern, bei denen es immer Gewinner und Verlierer geben muss und den unendlichen Spielern, die dazu bereit sind, jederzeit neue Regelmöglichkeiten in den Raum zu stellen - Hauptsache, das Spiel geht weiter. Auch wenn es dann vermeintlich ein anderes ist. Ähnlich wie beim Impro geht es den unendlichen Spielern also darum, Angebote zu machen, Regeln zu brechen, mit dem Ziel, andere gut aussehen zu lassen. Welch spannender Wettbewerb. Wie würde unsere Welt wohl aussehen, wenn wir darum konkurrieren würden, den jeweils anderen gut aussehen zu lassen?
Die abschließenden Kapitel von Carse beschäftigen sich mit den Auswirkungen unserer endlichen Spiele auf die Natur, unseren Umgang mit den von uns konzipierten und erschaffenen Maschinen (besonders interessant in Hinblick auf das Internet in seiner heutigen Form zu lesen!) und die Frage nach neuen Spielen, die wir spielen könnten. Ein verspieltes, philosophisches und besonders in Zeiten der spielenden Finanzjongleure anregendes Buch!